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Böhmen & Mähren - zwischen Gärten und Schlössern

Böhmen & Mähren - zwischen Gärten und Schlössern

Böhmen und Mähren, die beiden historischen Kernländer der Republik Tschechien, gehören zu den dichtesten Kulturlandschaften Europas. Kaum eine Region weist auf so engem Raum eine ähnlich eindrucksvolle Fülle von Baudenkmalern auf. Neben mittelalterlichen Stadtanlagen sind es vor allem Schlösser und Gärten, die das Antlitz dieser Landschaft prägen. Hinsichtlich ihres kunsthistorischen Ranges, der Pracht und Weitläufigkeit der Anlagen und der bis heute darin bewahrten Kunstschätze brauchen sie den Vergleich mit Herrschaftssitzen in anderen Teilen Europas nicht zu scheuen. Die Bauherren und Bewohner der Schlösser bedienten sich der Hilfe renommierter Architekten, Maler und Bildhauer aus ganz Europa und sorgten auf diese Weise dafür, dass die in der Renaissance, Barock und Rokoko geschaffenen Monumente von ebenso überzeugender Qualität sind, wie die im Klassizismus und Historismus entstandenen Bauten und Interieurs. Der Hochadel in Böhmen und Mähren verfügte über Stadtpaläste in Prag und später auch in Wien, doch als Zuhause sah er stets sein Schloss auf dem Land an. In dieser Hinsicht glich er dem englischen Adel und unterschied sich vom stadtsässigen Adel Italiens oder den Hof gebundenen Adel Frankreichs. Die Machtbasis stellte der Landsitz dar.

Im Rahmen unserer Reise wandeln wir von mittelalterlichen Burgen zu Renaissance- und Barockschlössern auf den Spuren bedeutender mitteleuropäischer Familien, insbesondere der Habsburger. Sie waren von 1526 bis zum Ende der Monarchie 1918 im Besitz der böhmischen Königskrone. Dabei legen wir das Schwergewicht vor allem auch auf die Parkanlagen und Gartenprojekte.

Blumengartens in Kremsier – Kromeriz (UNESCO Welterbe)

Das erzbischöfliche Residenzschloss und der Gartenkomplex in Kromeriz wurden 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Hier übten die Schlossherren, nämlich die Bischofe und Erzbischofe von Olmütz über Jahrhunderte hinweg faktisch die landesherrliche Gewalt in Mähren aus. Mit seinen beiden Gärten besitzt das Städtchen zwei herausragende Beispiele der europäischen Gartenkunst: den unteren Schlosspark im Stil eines englischen Landschaftsgartens, vor allem aber den Lust- oder Blumengarten, den Sie besuchen. Bei diesem handelt es sich um den besterhaltenen historischen Garten des Landes. Er wurde Mitte des 17. Jh. angelegt, bevor die Gärten von Versailles für ganz Europa stilbildend wurden. Die erste schriftliche Erwähnung des Schlossgartens taucht in einer Einladung des Bischofs an König Wladislaw II im Jahre 1509 auf. Der Garten wurde zwischen 1562 und 1572 um ein Rosarium erweitert. Der bischöfliche Obergärtner, der 1582 den Küchengarten führte, baute den ersten Blumenkohl in Mähren an und züchtete zahlreiche Rosen- und Nelkensorten. Im Zuge des Dreissigjährigen Kriegs, 1643, legten die Schweden die Stadt und das Schloss in Schutt und Asche. Der Aufschwung setzte erst mit der langen Regierungszeit (1664-1695) von Fürstbischof Karl II von Liechtenstein-Kastelkorn ein. Zugleich mit dem Schlossbau begann der Bischof mit der Anlage des Blumengartens – nicht wie gewöhnlich am Schloss, sondern im Westen vor den Toren der Stadt, wo er in seiner ursprünglichen Form auch erhalten blieb. Er entstand über einem Zeitraum von zehn Jahren auf einem rechteckigen Grundriss von 300 m x 485 m. Die mit zahlreichen Elementen manieristischer Gartenkunst aufweisende Anlage wurde nach italienischen, französischen und deutschen Vorbildern gestaltet. An der nördlichen Stirnseite wird der Garten durch eine nach Süden hin offene dorische Kolonnade von 224 m Länge begrenzt. In den Nischen der Kolonnaden stehen 44 lebensgrosse Standbilder mythologischer Figuren, aussen auf Konsolen über den Halbsäulen der Arkadenpfeiler weitere 46 Büsten antiker Helden und Philosophen. In der Langsachse des Gartens liegt der achteckige Kuppelbau, der so genannten Rotunda. Von Liechtenstein Lusthaus genannt besitzt sie vier mit Tuffstein und Muscheln dekorierte Grotten. Acht Alleen fuhren vom Zentralbau strahlenförmig weg. Im hinteren Teil befinden sich zwei Irrgärten aus Buchsbaumhecken. Wesentlich für die Gartenanlage waren die Wasserspiele, welche durch ein kompliziertes Wasserleitungssystem gespeist wurden.

Hügel des Friedens – Mohyla Miru bei Austerlitz

Sie halten an diesem in die Geschichte als einer der bedeutendsten Schlachten eingegangen Ort, wo am 2. Dezember 1805 Kaiser Napoleon I die Truppen des russischen und österreichischen Kaisers in der sog. Dreikaiserschlacht besiegte. Der französische Kaiser hat dabei erfolgreich eine geniale Taktik genutzt, einen zahlenmäßig überlegenen Gegner mit günstigeren Positionen zu besiegen.

Brünn

Brünn ist die nach Prag die zweitgrösste Stadt Tschechiens mit 380'000 Einwohnern. Seit dem 17. Jh. ist sie das historische Zentrum Mährens und stellt heute den Verwaltungssitz der Sudmährischen Region dar. Sie besitzt mehrere Universitäten, ist ein wichtiger Forschungsstandort und Sitz des Bistums Brunn der römischkatholischen Kirche Tschechiens. Des Weiteren sind hier alle Organe der höchsten tschechischen Gerichtsbarkeit angesiedelt. Die Stadt hat weithin eine bedeutende Stellung als starkes Industrie-, Handels-, Kultur- und Verwaltungszentrum.

Schlossgarten Buchlowitz

Ende des 17. Jh. verwöhnte Johann Dietrich Graf Peterswald seine von Heimweh geplagten Frau, Prinzessin Agnes Eleonora Colonna, mit einem grosszügigem Geschenk: Er erfreute sie mit einer Sommervilla im Stil ihrer italienischen Heimat. Noch heute wird es für das schönste Barockschloss Tschechiens gehalten. Sein Reiz besteht darin, dass es sich eigentlich um zwei kleine Schlösschen handelt, die sich durch einen terrassenförmig abgestuften Hof harmonisch miteinander verbinden und von bezaubernden Gartenanlagen umgeben sind. Da sich die Anlage in einem verborgenen Winkel Sudmährens versteckt, ist sie bis heute ein Geheimtipp geblieben. Das untere Schloss wurde zum Garten hin in abschüssiger Hanglage als eine zweigeschossige Dreiflügelanlage errichtet. Zu beiden Seiten überwinden Freitreppen den Höhenunterschied zwischen Hof und Gartenparterre. Die auf halber Hohe angelegten Seitenterrassen sind geschickt in die Gesamtkomposition der Anlage integriert. Zwei leidenschaftliche Hobbybotaniker, die Bruder Leopold I (1759-1809) und Friedrich Berchthold (1780-1876) erweiterten die Garten zu einem der schönsten Landschaftsparks des Landes. Buchlovice bietet sich heute unverändert so dar, wie es zwei Generationen später einfühlsam rekonstruiert wurde. Das Schloss ist von seinem gepflegten, ursprünglich italienischen und später im französischen Stil erweiterten Garten umgeben, an den sich ein im 19. Jh. angelegter, ebenfalls vorbildlich instand gehaltener 50 Hektar grosser Landschaftspark anschliesst. Umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten wurden zu Beginn des 20. Jh. in Angriff genommen. Im Landschaftspark befinden sich sehr seltene einheimische und exotische Gehölzer, womit die Bruder Berchthold eines der besten Arboreten Mährens schufen.

Schlossgarten Milotitz

Der Zutritt zum zweigeschossigen Schloss mit seinem mittelalterlichen Kern, einer Wasserburg und einem vierflügeligen Renaissanceschloss in barockem Gewand aus dem 18. Jh. ist triumphal. Der Besucher überschreitet eine über den Schlossgraben gespannte Steinbrücke, die von zwölf Sandsteinfiguren und Vasen geschmückt ist. Der Standort lag an der historischen Grenze zu Oberungarn, der heutigen Slowakei. Den Garten legte Anton Ferdinand Fiala nach 1762 in den konservativen Formen des französischen formalen Gartens an, zu einer Zeit, als der englische Landschaftsgarten gerade seinen Siegeszug durch Europa antrat. Glücklicherweise blieb dieser Garten, nach altmodischer Gesinnung passend zum Schloss angelegt, in den Grundzügen erhalten. Von der Freitreppe blickt man auf den Rosenparterre, gefasst von hohen akkurat gestutzten Hainbuchenhecken. Heute schweift der Blick über das formale Parterre zu einem zugewachsenen Landschaftspark mit 200 Jahre alten Baumen, in dem seit 50 Jahren weitgehend die Gesetze der Natur gelten. Erst vor wenigen Jahren wurde der Park, der lange Zeit militärisches Sperrgebiet war, wieder für Besucher des Schlosses zuganglich. Die Terrasse selbst, mit dem schlichten Brunnenbassin im Zentrum, war während der Barockzeit mit Kübelpflanzen geschmückt, welche in den beiden Orangerien unterhalb der Terrasse überwinterten. Dahinter liegt ein Rosengarten, in dessen Mitte eine Janusskulptur des 18. Jh. steht.

Typische Weinkeller in der Kellergasse in Petrov

Diese Weinkeller sind bereits im 15. Jh. erwähnt. Der Standort, dessen Name von der Form der in der nachgiebigen gelben Tonerde ausgehöhlten und mit Kappengewölbe verfestigten Keller stammt, entstand wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Anlegen der Weinberge. Die Bauten gehören zum Typ der Erdkeller ohne Presshäuser, deren Funktion meistens ein rechteckiger Raum hinter der gemauerten Front erfüllt. Und eben die Fassaden sind das bestimmende bildende und ästhetische Element der Keller von Petrov. Ab dem 16. Jahrhundert werden sie im einheitlichen Still gebaut, mit dominierenden architektonischen Elementen der Barockformen mit dem Bogen über dem gewölbten Eingang in den Vorkeller. Weisse Kalkfassaden mit Untermauerung und Türen aus Eichenholz unterstreichen noch mehr die ästhetische Wirkung. In Kellern, in denen die blaue Farbe der Untermauerung an der Seitenwand durch rote ersetzt ist, gibt es nicht nur guten Wein, sondern auch ein Mädchen zum Heiraten.